Der Februar 2026 verabschiedet sich mit strahlendem Sonnenschein – und einem Metal-Abend, der musikalisch ziemlich treffend mit „voll in die Fresse“ beschrieben werden kann. Am letzten Tag des meteorologischen Winters laden Heaven Shall Burn zur Kölner Show ihrer „Heimat over Europe 2026“-Tour ins Palladium ein und haben mit Frozen Soul, The Black Dahlia Murder und The Halo Effect ein Paket geschnürt, das jeden Fan harter Mucke glücklich machen dürfte.
Das Palladium selbst erweist sich einmal mehr als zuverlässige Konzertlocation. Auch wenn es aufgrund seiner Architektur im Innenraum manchmal etwas eng werden kann, stimmt hier einfach das Gesamtpaket: Die Organisation läuft reibungslos, für Getränke und Snacks – inklusive veganer Optionen – ist gesorgt, und auch die Security arbeitet souverän und unaufgeregt.
Schon im Foyer zeigt sich, dass dieser Abend nicht unpolitisch bleiben wird. Animal Rights Watch informiert dort über die Zustände in Schlachthäusern und macht Besucher:innen auf das Leid aufmerksam, das Tiere für den menschlichen Fleischkonsum erfahren. Ein Thema, das gerade im Umfeld von Heaven Shall Burn wenig überraschend und absolut passend platziert ist.
Bevor es musikalisch ernst wird, führt der Weg natürlich erst einmal zum Merchstand. Neben den obligatorischen T-Shirts gibt es hier unter anderem Vinyl, Drumsticks, Patches und natürlich eine breite Auswahl an Shirts. Die Preise sind dabei absolut Fan-freundlich. Das Tour-Shirt kostet 30 Euro, das Event-Shirt 35 Euro, und signierte sowie limitierte 7″-Vinyls 12 Euro den Besitzer. In Zeiten stetig steigender Merchpreise ist das alles andere als selbstverständlich oder wie die Boomer-Generation sagen würde: „Da kannste nicht meckern.“
Um 18:30 Uhr wird es dann zum ersten Mal ernst. Das Licht im Saal erlischt, aus den Boxen erklingt „Balls to the Wall“ als Intro und kurz darauf betreten Frozen Soul aus Texas die Bühne. Von der ersten Minute an machen sie klar, wohin die Reise geht: kompromissloser Death Metal, direkt und ohne Schnörkel. Dabei überzeugt nicht nur die Band selbst, die sich bestens eingespielt präsentiert. Auch der Sound muss absolut positiv hervorgehoben werden: druckvoll und klar. Der Verantwortliche am Mischpult liefert hier ganze Arbeit. Frozen Soul hinterlassen damit einen starken Eindruck und setzen früh am Abend Maßstäbe. Wer die Band bisher noch nicht kennt: Ein Blick beziehungsweise ein Hördurchgang durch ihre Alben und ein nächster Livebesuch lohnt sich definitiv.
Nach einer kurzen Pause folgt der Auftritt von The Black Dahlia Murder, die in gewisser Weise genau dort anknüpfen, wo Frozen Soul aufgehört haben: rund 40 Minuten Death Metal auf der Bühne, Begeisterung im Publikum – und zwischendurch ein Mensch im Gorilla-Kostüm, der über die Bühne stapft. Bei der Songauswahl konzentriert sich die Band in erster Linie auf den aktuellen Longplayer „Servitude“ aus dem Jahr 2024. Doch auch Songs von „Nocturnal“, „Nightbringers“, „Miasma“ und „Deflorate“ finden ihren Weg in die abwechslungsreiche Setlist und sorgen dafür, dass sowohl neuere als auch langjährige Fans auf ihre Kosten kommen.
Der letzte musikalische Gast dieses „Mini-Festivals“, The Halo Effect, betritt gegen 20:15 Uhr die Bühne. Die Schweden bieten melodischen Death Metal vom Feinsten und begeistern mich nachhaltig.
Die Spielfreude und gute Laune sind dabei deutlich spürbar. Besonders Sänger Mikael Stanne fällt mit seinem Lächeln und seinem sympathischen Auftreten sofort auf und erweist sich schnell als echter Sympathieträger – wobei das letztlich für die gesamte Band gilt. In ihrer zwölf Songs umfassenden Setlist spielt sich die Band durch ihre bisherigen zwei Studioalben und dürfte an diesem Abend mit Sicherheit einige neue Fans gewonnen haben.
Um 21:25 Uhr wird schließlich der Headliner des Abends angekündigt. Das Intro „Ad arma“ erklingt – und was danach folgt, wird in jeder Hinsicht groß. Nach dem Opener „War Is the Father of All“ schießen bei „Voice of the Voiceless“ bereits die ersten Flammen Richtung Hallendecke. Ein beeindruckendes Flammen- und Lichtspektakel begleitet den gesamten Auftritt der Thüringer.
Der Grund, warum ich Heaven Shall Burn so schätze, liegt jedoch nicht nur in der opulenten Show. Die Band füllt dieses visuelle Spektakel auch mit klaren Inhalten. In ihren Ansagen und Songs macht sie nicht nur auf Missstände rund um das menschliche Verhalten Tiere gegenüber aufmerksam, sondern spricht auch politische Entwicklungen offen an. So wird auch Stellung gegen Geschichtsvergessenheit bezogen – eine Haltung, die deutlich macht, dass eine offene und vielfältige Konzertkultur wie an diesem Abend keineswegs selbstverständlich ist. Kurz gesagt: Hier wird Haltung gezeigt.
Die Songauswahl führt quer durch sieben Alben der Band, wobei der aktuelle Longplayer „Heimat“ mit vier Songs vertreten ist. Diese werden mit einer solchen Inbrunst in die headbangende, crowdsurfende und Moshpits bildende Menge geschleudert, dass sich selbst die hinteren Reihen diesem Musik- und Lichtsturm kaum entziehen können.
Wenn man an dieser Stelle überhaupt einen kleinen Wermutstropfen suchen möchte, dann wäre es das Fehlen von „Hunters Will Be Hunted“, meinem persönlichen Heaven-Shall-Burn-Lieblingssong. Doch das schmälert den Gesamteindruck in keiner Weise. Und der ist eindeutig: Heaven Shall Burn gehören zu den kraftvollsten Livebands, die ich kenne.
Das zeigt sich auch beim letzten Song des Abends: Blind Guardians „Valhalla“. Wieder singt die Menge lautstark mit, wieder schießen Fontänen aus Feuer Richtung Decke, und wieder bleibt einem nur ein Wort: großartig.
Großartig – und im besten Metal-Sinne laut – war letztlich der gesamte Abend. Danke an alle vier Bands!
[Dieser Text erschien am 12.09.2025 ebenfalls bei monkeypress]
FROZEN SOULS
[Galerie folgt]
THE BLACK DAHLIA MURDER
[Galerie folgt]
THE HALO EFFECT
[Galerie folgt]
HEAVEN SHALL BURN
























